Die Erdlinge. Von Evin C. Warden

"Seitdem ich immer mehr aus meinem ursprünglichen Erdlingskollektiv heraus mutiere, sehe ich immer klarer, was da läuft. Ein wenig fühle ich mich dabei wie ein Ureinwohner irgendwo aus dem Dschungel oder dem ewigen Eis, der unsere gepriesene westliche Zivilisation betrachtet und nicht versteht, was wir hier machen. Nicht mal dann, wenn er es versteht. Oder eher: Dann erst recht nicht.

 

Die aktuelle Wegwerf-Gesellschaft spiegelt exakt den derzeit im Trend liegenden Wegmach-Kult wieder, der sich krasser als eine Sekte in die Herzen & Köpfe der Erdlinge eingenistet hat. Sie betreiben eine Endzeit-Sekte und träumen einen Traum von Freiheit, Gleichheit und Entfaltung. Sie reden von Evolution & sind stolz auf ihre Entwicklung, aber in Wahrheit betreiben sie Revolution, die das Gegenteil davon ist*. Derzeit… das sind inzwischen 3 – 4 Generationen oder mehr. Vielleicht sind es auch schon Tausende… wer weiß das schon so genau? 

 

Wegmachen ist das Allererste, das Vertreter dieser Spezies lernen, wenn sie auf Terra Gaia als Erdling inkarnieren… sich selbst… das eigene Fühlen als Erdlingsjunges, das eigene Wollen & Nichtwollen, damit sie überleben… Zuerst werden die eigenen Impulse weggemacht, dann später die eigenen Gedanken, die eigenen Wünsche & Träume… bis sich so ein Erdling dann nichts mehr zutraut, weil er sich bereits so sehr von sich und der eigenen Stärke entfernt fühlt. Besonders wenn es keine schönen Gefühle sind, müssen sie weggemacht werden… 

 

Aber später – wenn sich der Erdling so sehr gewöhnt hat an den grauen noch übrig gebliebenen Einheitsbrei  (man nennt das dort ironischerweise auch „sozialisieren“ und meint dabei in Wahrheit normieren) – müssen auch die schönen Gefühle weggemacht werden. Der Kontrast wäre sonst einfach zu schmerzhaft & auch zu auffällig. Das macht zu viel Angst. Die muss weggemacht werden. Noch nie hatten die Erdlinge die Gelegenheit, sich & ihre Stärke zu erproben. Noch nie gab es die Möglichkeit, in der Krise neue und eigene Lösungen zu finden, die aus ihnen hervor kommen. 

 

Deshalb gibt es auch kein Selbst-Vertrauen, das nur eine Gewissheit ist, die anstehende Herausforderung nicht nur zu überleben, sondern dass sie sogar auf konstruktive Weise von einem selbst gelöst werden kann. Deshalb  glauben die Erdlinge aktuell so an ihre Sekten-Gurus, die das fehlende Selbstvertrauen dann als Fremdvertrauen erhalten, weil sie vorgeben zu wissen, wie Wegmachen am Besten funktioniert. 

 

Und das funktioniert so: Was nicht passt, wird passend gemacht. Was nicht still ist, wird zur Ruhe gebracht. Was unerwünscht ist, wird beseitigt… operiert oder sonstwie totgemacht, rausgeschnitten, verbrannt oder entfernt… Was nicht schön & zivilisiert genug ist (man nennt das dort „gepflegt“), wird geliftet, gebotoxt, rasiert und gewachst. Was nicht mitläuft, wird ausgeschlossen. Was stirbt wird vor den Lebenden versteckt. Was wirklich leben will, wird tot gemacht mit Retalin. Was alt & kaputt ist, wird weg geworfen, statt repariert. Was sich entfernen will, wird eingesperrt und wieder auf Spur gebracht. Was nicht der Norm entspricht, wird normiert. Was frei sein will, wird kontrolliert. Was krank ist, wird symptombehandelt. 

 

Sie haben einfach die besten Wegmach-Strategien! Das nennen sie dann „Schutz“ oder wahlweise „Solidarität“ (das ist die kollektive Schutz-Idee, von der sie auch ganz genau sagen können, wie die auszusehen hat und wie nicht) und präsentieren das als Lösung. Es gibt eine ganze Palette solcher „Schutz-Lösungs-Strategien“, die die Erdlinge alle von sich selbst weggemacht & auf die Gurus übertragen haben, weil sie sich selbst nicht vertrauen. Nicht einmal dann, wenn es um den eigenen Körper und um ihre Jungen geht. Viele fühlen ihren Körper nicht mehr und haben seine Sprache verlernt. Die Erdlinge haben inzwischen ihr eigenes Gespür dafür verloren, was ihnen gut tut und was eher nicht… bzw. wenn sie es spüren, kann ein Guru das ganz überzeugend wegmachen durch eine gute Medien-Wegmach-Überblendungs-Strategie. Auch ihre Jungen dürfen das nicht selbst wissen wollen. Da kann der Mutant in mir nur staunen.

 

Sie kennen weder ihre eigene Schönheit, noch ihre eigene Stärke, da sie diese nie erprobten... weil es nach wie vor noch immer ums Überleben geht. Nicht ums Leben. Das wird da inzwischen verwechselt auf Terra Gaia. Sie machen es wohl schon zu lange so. 

 

Aus einem Werkzeug, das in der Not gute Dienste leistet, weil es die Erdlinge weiterhin funktionieren lässt, trotz größter Herausforderungen, ist ein chronischer Dauerzustand geworden. Und die Gurus haben ein Interesse daran, dass der Überlebensmodus auch dauerhaft künstlich aufrecht erhalten wird, weil es ihnen die Herrschaft über die Erdlinge verleiht. 

 

Weil die Erdlinge überleben wollen, sterben sie innerlich. Deshalb muss dort ALLES kontrolliert & in Sicherheit gebracht werden… weil sie solch eine Angst davor haben, zu sterben – obwohl sie gleichzeitig bereits absterben Jahr für Jahr für Jahr mehr… Kontrollverlust ist eine der größten Ängste unter den Erdlingen. Aber der Verlust dieser Wegmach-Kontrolle wäre das eigentlich Heilsame…. die Beendigung des Wegmachens… das Zulassen all dessen, was NIE sein durfte. 

 

In Wahrheit sterben die Erdlinge von innen am Überlebenwollen. Schon immer. Sie sterben innerlich. Äußerlich. Individuell. Kollektiv. Je mehr sie überleben wollen, desto schneller geht es. Sie sterben und all das Wunderbare, dass sie in Wahrheit sind, bleibt verborgen. Das Heilsame wollen sie nicht. Sie glauben, dann stimmt etwas nicht mit ihnen, weil sie nicht mehr funktionieren… und wenn sie nicht mehr funktionieren, werden sie ausgeschlossen – so glauben sie – und dann geht es wieder ums Überleben… das geht schneller, als man L E B E N buchstabieren kann.

 

Sie kämpfen ums Daseindürfen und machen sich & einander weg dabei. So generieren sie erfolgreich Opfer- & Täter-Kreisläufe immer wieder und wieder und wieder… denn natürlich ist das nicht möglich, so etwas in sich zu verantworten… da bräche der ganze Wegmach-Kult zusammen. In sich und im außen. Sie versuchen ganz ehrlich, ihre Probleme zu lösen… aber das ist nicht möglich im Wegmach-Modus. Da erschafft man nur welche. Ihnen ist dieser Schöpfungsmechanismus mehrheitlich unklar. Deshalb machen sie dann mit den besten bekannten Wegmach-Tools alles weg bzw. lassen sich wegmachen. Sie wollen nicht haben, was sie selbst erschufen … obwohl gar niemand mehr der da ist, der von ihnen verlangen würde, das weiterhin aufrechtzuerhalten. Es soll einfach weg sein. Wie immer. Schön soll es stattdessen sein. Funktionabel. Und frei. Und demokratisch. Und wenn es geht ungestört. 

 

Die Erdlinge glauben, sie könnten derzeit etwas anderes wählen, als den Wegmach-Kult der Sekte. Sie glauben, auf diese Weise könnten sie schöpfen und Probleme kreativ lösen… aber das ist nicht möglich. Was nicht da sein darf, kann auch nicht er- bzw. gelöst werden… Was ge- bzw. erlöst werden will und heilen, muss da sein dürfen… es geht kein Weg daran vorbei. Alle Wege daran vorbei, sind Wegmach-Wege. So läuft das hier auf Terra Gaia.

Und wenn jetzt - nach all den Jahren und Generationen des Wegmachens - das Sterben von Terra Gaia eingeleitet wird und die Krankheit und der Schmerz aufbrechen, ist das vor lauter Wegmacherei für viele Erdlinge kaum zu ertragen, so schmerzvoll ist das, so viel Weggemachtes vorzufinden. Sie konnten ja bisher nie eigene Strategien entwickeln und erproben… bei denen sie erleben könnten, was unter dem Weggemachten schon so lange da liegt und darauf wartet. Darauf, dass es gesehen wird…. dass es aus-gehalten wird… dass es Raum bekommt & da sein darf… in ihnen… und in der Lebens(T)Raum-Welt… 

 

All das befindet sich jetzt an einem Scheideweg. Alles Weggemachte bricht heraus. Aus den Erdlingen selbst sowie aus allem, was sie erschufen… ihren Systemen, ihren Wegmach-Lösungsansätzen, die gar nichts lösen, sondern nur verlagern… ihren Wegmach-Erzählungen über ihre weggemachte Vergangenheit – die individuelle, wie auch die kollektive –  die zum Teil noch SO arg weggemacht ist, dass sie noch einige Generationen dazu brauchen werden, um das zu ent-decken. Ihre Strategien brechen zusammen. Ihre Ersatz-Regulation verabschiedet sich. Ihr Schutz funktioniert nicht mehr – auf keiner Ebene – nicht mental, nicht seelisch und damit erst recht nicht körperlich. Nicht individuell… nicht kollektiv. Er zögert es nur hinaus…

 

Deshalb reagiert die ganze Spezies wie ein Körper, der jetzt Schmerz empfindet. Und das ist gut so. Denn Schmerz ist sinnvoll. Leiden ist nicht sinnvoll. Aber Schmerz ist sinnvoll. Er erzählt etwas über das Wegmachen, indem er die letzte Instanz des Körpers nimmt und Krankheiten & Katastrophen generiert. Dabei sind die Körper der Erdlinge & Terra Gaia eng verbunden. Sie werden gemeinsam durch diesen Prozess gehen oder untergehen. Das fühlen die Erdlinge auch… aber NOCH glauben zu viele von ihnen an die Wegmach-Lösungen der Gurus, die alles beim Alten lassen und nur ein schöneres, glitzernderes Kleid überziehen, das Unsummen kosten wird & nichts nutzen. Das wird dann „innovativ“ genannt und wer das nicht anerkennt, ist ein ewig-gestriger, fortschrittsfeindlicher Artgenosse, dem man ohnehin nicht zuhören muss, weil er eben zurückgeblieben ist. 

 

Sie haben gelernt, dass gut sein muss, was teuer ist… und dass es wichtig sein muss, wenn man den Gürtel enger schnallen muss… und dass es bedeutsam & richtig sein muss, wenn alle das sagen. Es dauert eine ganze Weile, bis es so weit kommen kann, dass Krankheiten & Katastrophen eintreten. Bis DIE materialisiert werden, muss sich die Spezies Millionen Mal weggemacht haben. Für ein einzelnes Erdlingsleben reichen 5 – 6 Mal, um körperlich krank zu werden. Für persönliche Katastrophen reichen auch 3 oder 4 Mal. Die Stärke des Schmerzes jetzt erzählt etwas darüber, wie sehr sich die Erdlinge weggemacht und von ihrem ursprünglichen Menschsein entfernt haben.

 

Es gibt noch immer genügend Wegmach-Angebote, die vorgeben, Probleme zu lösen. Sie argumentieren ALLE mit  Überlebens-Argumenten, welch ein Zufall. Daran ist auch zu erkennen, ob sie in Wahrheit dem Wegmach-Kult angehören oder nicht. Und natürlich ist das Wegmachen die angebotene Lösung… wegmachen durch kontrollieren… durch bestrafen… durch ausgrenzen… nicht zuhören… diffamieren… Es gibt nicht wenige Erdlinge, die diese Form von Wegmachen allem anderen vorziehen. Sie verlangen sozusagen die Einhaltung des Wegmachens und die Kontrolle darüber von ihren Gurus… machen alles andere lächerlich… kriminalisieren es… nennen alle anderen, die sich nicht wegmachen wollen „egoistisch“ und noch anderes und bezeugen damit lediglich, wie hervorragend ihr Wegmach-Trainingsprogramm gegriffen hat. Und ja… bevor DA hingesehen statt weggemacht wird, könnte noch einiges bewegt werden müssen auf Terra Gaia.

 

Selbst Terra Gaia – der Lebens(T)Raum-Planet – ist involviert und bricht gemeinsam mit den Erdlingen aus seiner Wegmach-Starre, da alle gemeinsam kurz vor dem tatsächlichen Kollaps sind, wo es dann irgendwann tatsächlich ums Überleben geht. Und was fällt den Gurus der Erdlinge dazu ein? Wegmachen  - was sonst. Sie können nichts anderes. Sie sind keine Schöpfer wie die Erdlinge. Sie sind Parasiten, die lediglich auf die Kraft der Erdlinge zurückgreifen & diese nutzen können, um etwas zu kreieren.

 

Ich möchte dabei nicht mistverstanden werden:

Etwas nicht wegmachen bedeutet keinesfalls, alles aushalten zu müssen oder über sich ergehen lassen zu müssen bzw. ertragen zu müssen. Da gibt es ein paar akute Deutungsprobleme bei den Erdlingen, die in ihrer Verdrehung dafür sorgen, dass sie weiterhin nichts verstehen. Es bedeutet, alles was an Gefühlen, Innenleben und Impulsen auftaucht, anzusehen… da sein zu lassen und zu halten. Es ist nicht einmal möglich, das Wegmachen einfach wegzumachen...

 

Und in der Tat wäre das DER Beitrag, den jeder Erdling leisten könnte, um seine Population und Terra Gaia zu erlösen. Ich bin gespannt, wann die Erdlinge das merken….

 

*siehe Harrenberg Kompaktlexikon in 3 Bänden

Kommentar schreiben

Kommentare: 0